Thomas Kupper Fotos
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Im Laufe der Jahre habe ich mit vielen Varianten gearbeitet, von Minolta bis Pentax, und bin zum Schluss gekommen, dass es, Spiegelreflex vorausgesetzt, überhaupt nicht auf die Kamera ankommt, zumindest nicht bei Nahaufnahmen. Meine ersten Spiegelreflexkameras hatten einen einfachen mittenbetonten Belichtungsmesser eingebaut sowie drei Dinge zum Einstellen: Schärfe, Blende und Verschlusszeit. Als die Zooms aufkamen, gab es einen weiteren Ring zum Verstellen, den Zoomring. Diese vier Dinge konnte sogar ich mir merken!
Heutige Kameras bieten da etwas mehr. Schärfe, Blende und Verschlusszeit können in unendlichen Variationen automatisch eingestellt werden, hinzu kommt die ganze elektronische Bilderzeugung, wo unter anderem Empfindlichkeit, Farbe und Kontrast etc. gleich in der Kamera eingestellt werden können. Dies blieb früher dem Filmhersteller resp. der Entwicklung überlassen.
Diese Einstellungsmöglichkeiten sind, abgesehen vom in bestimmten Aufnahmesituationen vorteilhaften Autofokus, die grössten Vorteile, vor allem die Verstellbarkeit der Empfindlichkeit. Früher bedeutete eine solche "Verstellbarkeit" schlicht das Mitschleppen eines zweiten Kameragehäuses mit einer anderen Filmsorte. Ein weiterer Vorteil ist das Entfallen der Filme. Die hatten ja im Kleinbild maximal 36 Aufnahmen, und so war man auf längeren Reisen gezwungen, die Dinger packweise mitzuschleppen, unterwegs zu wechseln, die Aufnahmen ohne visuelle Kontrolle zu machen sowie anschliessend mit Geduld auf die Entwicklung zu warten, die dann natürlich noch extra kostete. So betrachtet, ist heute die Fotografie auch finanziell sehr viel günstiger geworden.

Heutige Kameras "können" also viel mehr, veralten aber auch schneller, brauchen ständig Strom (war früher kein Problem, da Strom nur für den Belichtungsmesser gebraucht wurde und dieser wiederum zum Beispiel im Sonnenlicht schlicht überflüssig war, da man die richtige Einstellung von Blende und Verschluss bei einer bestimmten Filmempfindlichkeit ohnehin auswendig wusste) und wenn etwas nicht mehr funktioniert, weiss man genaus so wenig wie bei modernen Autos ob es an der Mechanik oder an der Elektronik liegt. Wir sind also sozusagen der Industrie noch mehr ausgeliefert. Aber waren wir das nicht auch schon beim Telefon vor 50 Jahren?



Diese Fliege wurde mit einem alten Tamron Adaptall Makro mit Zwischenringen und Vorsatzlinse aufgenommen. Vorteile dieser Ausrüstung: Platzsparend, Zwischenringe an anderen Objektiven verwendbar. Das alte Tamron ist relativ klein trotz Lichtstärke 2,5.
Vieles hat sich auch bei der Optik verändert, und dort leider nicht alles zum Besseren, jedenfalls was die Handhabung von Makroteilen im Feld anbelangt. Natürlich sind Makroobjektive elegant in der Handhabung, doch was ist mit grösseren Abbildungsmassstäben? Das Balgengerät ist nicht nur darum verschwunden, weil es die Fotografengemeinde für unzumutbar gross und unhandlich hielt oder weil es zu wenig gekauft wurde. Verschwunden ist es auch wegen der Elektronik, die voraussetzt, dass alle Objektive mit der Kamera ständig kommunizieren und ihr ihre jeweiligen Einstellungen durchgeben.

Mit dem Einzug der digitalen Fotografie hat sich auch die "Herstellerlandschaft" gründlich verändert. Viele kleine Hersteller sind verschwunden, da sie schon allein den Entwicklungsaufwand nicht schafften. Ebenso verschwunden sind viele Filmhersteller, dafür sind bei der Chipherstellung neue Monopole geschaffen worden. Fragwürdig ist zudem die Elektronik-Herstellung, die sich von Europa und Japan hin zu den Philippinen und vor allem nach China verlagert hat. Wie dort die Arbeitsbedingungen sind, ist wohl jedermann bekannt.
Die Kameras verschiedener Hersteller benutzen in ganzen Serien oft den gleichen Chip, und die Testzeitschriften untersuchen mit grösstem Aufwand, wie sich denn die Feineinstellungen der Software bei den Kameras unterscheiden und allenfalls im Bild niederschlagen könnten, wobei sie nur noch von Grundeinstellungen ausgehen können, da ja ohnehin alles verstellbar ist. So mögen sich zwar die Kontraste der Kamera X von den Kontrasten der Kamera Y in der Grundeinstellung unterscheiden, doch wird der Anwender ohnehin "seine" besten Kontrasteinstellungen suchen und auch finden.


Fast gleiche Ausrüstung wie bei der obigen Fliege, allerdings ein Pentax Makro 4/100mm. Bei diesem wird im Gegensatz zum Tamron die gesamte Linsengruppe verschoben, wenn man scharf stellt, dadurch ergeben sich grössere Abstände.

Aufnahme mit 50mm Makro und Zwischenringen. Bei solchen ruhigen Gegenständen spielt der Aufnahmeabstand nur wegen der Beleuchtung eine Rolle. Vorteile dieser Ausrüstung: Zwischenringe auch für andere Objektive anwendbar, 50mm Makro klein und leicht.
Am meisten stört mich, dass die Experimentierfreudigkeit mit modernen Kameras eingeschränkt wurde. Es ist nicht mehr möglich, eine Leselupe am Balgen zu befestigen, um damit Aufnahmeversuche zu machen, Zwischenringe sind nicht mehr einfach so zu verwenden, da viele moderne Kameras sogar die Belichtungsmessung oder Auslösung verweigern, wenn sie keine Objektiv-Elektronik finden etc.. Ganz zu schweigen von Mikroskopaufnahmen. Da muss bei einigen Kameraherstellern extra ein Modell aus der teuereren Serie gekauft werden.
Gleichzeitig aber, und das ist ein rechter Trost, hat sich an den optischen Gesetzen rein gar nichts geändert. Höhere Empfindlichkeit bedeutete früher gröberes Korn, heute stärkeres Rauschen. Violette Ränder an kontraststarken Rändern gab es schon immer, die Beugung bei kleinen Blenden ebenso, die Rechnerei mit den Dioptrien ist auch geblieben, und trotz "Antishake"-Systemen werden weiterhin Fotos bei langen Brennweiten verzittert.


Kleinschmetterling, mit einem 135mm Tele, Zwischenringen und Blitz aufgenommen. Mit dem 135er hat man am APS-C- Sensor ein 200mm Tele, mit den entsprechend grossen Abständen bei der Kleintierfotografie. Die Tierchen hauen weniger schnell ab.
Alle Bilder Copyright by Thomas Kupper 8590 Romanshorn

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